"Ich kann doch auch für mich alleine glauben. Da brauche ich keine Kirche dazu", sagen Sie vielleicht. Ich stimme Ihnen zunächst zu. Ja, glücklicherweise haben viele von uns von Eltern, Großeltern, Freunden, Pfarrern, Lehrern - einfach von vielen anderen Menschen so viel vom Leben und vom Glauben mitbekommen, dass sie nun gut damit leben können. Sogar für sich alleine.
Sie merken aber vielleicht schon, worauf ich hinauswill. Ich meine nämlich, dass die Frage, was ich brauche, nur die eine Hälfte der Medaille ist. Der ganzen Wirklichkeit entspreche ich nur, wenn ich auch die zweite Frage stelle: Was braucht die Gemeinschaft von mir? Ja, es ist richtig, manchmal brauchen wir die Gemeinschaft nicht. Manchmal können wir sie nicht brauchen. Manchmal stören und ärgern die anderen uns. Aber sie haben dennoch das Recht, uns zu sagen: "Wir brauchen dich." Wo wir uns zurückziehen, wird die Gemeinschaft ärmer. Und wir selbst ja auch. Dass wir für uns alleine glauben können, ist auch ein Geschenk der Gemeinschaft. Derer, die uns den Glauben weitergegeben haben. Die uns die Geschichten von Gott und Jesus weitererzählt haben. Die uns gezeigt haben, wie man betet. Die uns durch ihr Vorbild gezeigt haben, wie man Glauben leben kann. Die uns also die lebendige Glaubens-Tradition weitergegeben haben. Diese Tradition bricht ab, wenn wir Glauben ohne Gemeinschaft leben wollen. Alle Traditionen brauchen Gemeinschaft. Feste können wir nicht wirklich alleine feiern. Die Gemeinschaft der Glaubenden braucht auch Ihren Beitrag, den Glauben, den Sie empfangen haben, weiterzureichen. Ihr Mitfeiern des Gottesdienstes. Ihre Mitarbeit in Kinderkirche, Jungschar, Jugendkreis, Erwachsenenbildung, Seniorenarbeit etc. "Was brauche ich?" ist die eine Frage. Die andere gehört unbedingt dazu: "Was kann ich beitragen? Wo werde ich gebraucht?".Michael Jung, Sonntagsgedanken für die Zeitung am Sa, 24.5.2003






