Was ist "heilig"? Mir hilft es, dieses Wort einfach durch "reserviert" zu ersetzen. Es gibt Dinge, die sind reserviert für besondere Gelegenheiten. Damit sind sie besonders wichtig und wertvoll. Wir investieren viel Zeit und Liebe in den Schutz unserer "Heiligtümer". Ich finde es heilsam, manche Zeiten für Menschen zu reservieren, die mir wichtig sind. Und auch reservierte Zeiten für mich zu haben, um wieder zur Besinnung zu kommen und aufzutanken. "Heilig, heilig, heilig ist Gott" (Jesaja 6,3) heißt es im biblischen Motto für das Dreieinigkeitsfest. Gott ist "heilig". Er ist es wert, dass wir Zeiten für ihn reservieren. Wo wir uns ihm und uns selbst stellen. Am Dreieinigkeitsfest feiern wir, dass Gott uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist begegnet. Der Kern dieses Festes ist das Staunen darüber, dass Gott uns zugleich sehr fern und sehr nah ist. Dass er ganz und gar der mächtige Schöpfer der Welt ist. Und dass er ebenso ganz und gar in Jesu ohnmächtigem Leiden gegenwärtig ist. Dass er ganz und gar "anders" ist, als wir ihn uns vorstellen können - und zugleich ganz und gar "menschlich". Das ist ein Spagat, den unser Verstand nicht nachvollziehen kann. Aber im Leben begegnen wir diesen Extremen: Der Freude und dem Leid, dem Großen und dem Kleinen, dem Jubel und der Klage, dem Glauben und dem Zweifel. Gott umspannt und umfaßt diese Extreme und alles, was dazwischen liegt. Es tut gut, Zeiten zu reservieren für das, was uns wichtig ist. Auch Zeit für den dreieinigen Gott, der alle Momente unseres Lebens umfaßt. Warum nicht z.B. für den Gottesdienst am Dreieinigkeitsfest?
Sonntagsgedanken zum 22.5.2005






