Dieses Motiv des Street-Art-Künstlers „Banksy“ (Quelle: www.godnews.de) befindet sich an einer Mauer in Bethlehem. Ein Straßenkämpfer zielt hier auf ein Gegenüber. In seiner rechten Hand hält er aber keinen Stein, kein Molotow-Cocktail und keine Granate, sondern einen Blumenstrauß.
Dieser „Blumenwerfer“ setzt fantasievoll um, was die diesjährige Jahreslosung meint. „Böses“ schreit nach Vergeltung und Ausgleich. Beleidigungen, Gewalt, Verluste können nicht einfach hingenommen werden. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse“, fordert ja auch Paulus zunächst auf.
Doch sofortige und unmittelbare Vergeltung oder das sofortige in Verantwortung Nehmen einer Person machen eine Sache oft nicht nur nicht besser, sondern sogar schlimmer. Die Entlassung eines Fußballtrainers (manchmal schon nach wenigen Monaten) macht eine Fußballmannschaft nicht besser. Die Entlassung eines Mitarbeiters nach dessen Fehlentscheidung hilft einer Firma nicht unmittelbar weiter und verhindert, dass ein erfahrener Mensch aus seinem Fehler lernt und die Sache künftig besser macht. Das Zurückschlagen verschafft einen kleinen Moment der Erleichterung, aber vermehrt das Unheil und die Verletzungen in der Welt und erzeugt damit neue Gewalt. Oder wie schon Gandhi es ausdrückte: „Auge um Auge - lässt die Welt erblinden.“
„Überwinde das Böse mit Gutem“ - das bedeutet nicht, den Übeltäter auch noch zu belohnen. Es bedeutet allerdings schon einen schwerwiegenden Verzicht. Den Verzicht auf kurzfristigen Ausgleich und kurzfristige Befriedigung unserer Vergeltungs-Gelüste. Einen Ausgleich will Paulus allerdings auch herstellen. Aber einen mit Gutem und zum Guten. Einen Ausgleich, der langfristig ein Mehr an Frieden und Heil für alle Beteiligten bedeutet, nicht nur für eine Seite.
Das Bild vom Blumenwerfer könnte unser reflexartiges Bedürfnis nach sofortiger Vergeltung und sofortigem Ausgleich einen kleinen Moment unterbrechen. Einen Moment, in dem wir uns fragen könnten: Welche „Blumen“ werfe ich zurück? Was fällt mir an Gutem ein, das Böse zu überwinden? Wie wird auf längere Sicht eine Situation besser? Was nützt langfristig mir – und sogar dem anderen?






